EY German Biotechnology Report 2026: Starke Forschung trifft auf eine Finanzierungslücke
Deutschland verfügt über eine international anerkannte Forschungslandschaft und zählt bei wissenschaftlichen Einrichtungen, Forschungsergebnissen und Biotechnologiepatenten zur europäischen Spitze. Dennoch gelingt es noch zu selten, dieses Potenzial in skalierbare Unternehmen und nachhaltige industrielle Wertschöpfung zu übersetzen. Der EY German Biotechnology Report 2026 zeichnet entsprechend ein differenziertes Bild der Branche.
Besonders deutlich wird die Herausforderung beim Blick auf die Finanzierung im Jahr 2025. Das in deutsche Biotech-Unternehmen investierte Wagniskapital sank gegenüber dem Vorjahr um 33 Prozent auf 601 Millionen Euro. Gleichzeitig konzentrierte es sich stark auf wenige Unternehmen: Die drei größten Finanzierungsrunden vereinten 71 Prozent des gesamten Venture Capitals auf sich.
Der größte Engpass zeigt sich beim Übergang in die Wachstumsphase. Während die Seed-Finanzierungen weiterhin über dem historischen Durchschnitt lagen und Series A vergleichsweise stabil blieb, sank das gesamte Series-B-Volumen auf nur sieben Millionen Euro. Damit erreichte es den niedrigsten Stand der vergangenen acht Jahre. Neue Biotech-Börsengänge in Deutschland blieben 2025 ebenfalls aus.
Eine langfristige Betrachtung zeigt jedoch, dass Investitionen in deutsche Biotech-Unternehmen durchaus erfolgreich sein können. EY untersuchte die jeweils drei größten VC-finanzierten Unternehmen pro Jahr zwischen 2001 und 2025. Von den insgesamt 51 Unternehmen wurden 19 übernommen und sieben gingen an die Börse. Zwar endeten zehn Unternehmen in der Insolvenz, auf sie entfielen jedoch lediglich vier Prozent des insgesamt untersuchten Kapitals von rund 4,9 Milliarden Euro.
Auch die klinische Entwicklung macht Fortschritte. Die Zahl der Phase-2-Studien deutscher Biotech-Unternehmen stieg von 77 im Jahr 2012 auf 118 im Jahr 2025 und damit um 53 Prozent. Die Pipeline entwickelt sich somit zunehmend in Richtung fortgeschrittener klinischer Phasen.
Der Report macht deutlich: Deutschland fehlt es nicht an wissenschaftlicher Qualität oder innovativen Ideen. Eine zentrale Herausforderung bleibt jedoch, ausreichend Kapital für die Weiterentwicklung und Skalierung junger Unternehmen zu mobilisieren. Damit Forschung nicht im Labor bleibt, müssen Wissenschaft, Unternehmertum, Finanzierung und industrielle Umsetzung stärker miteinander verbunden werden.
Der vollständige EY German Biotechnology Report 2026 bietet weitere Einblicke in die Finanzierung, Entwicklung und internationale Positionierung der deutschen Biotech-Branche.